Ein Freitag wie jeder andere?

Ein Freitag wie jeder andere?

Wie manche vielleicht wissen, bin ich nicht nur im „weltlichen“ Umfeld Musikerin und Fotografin, sondern kümmere mich auch in der Jugendarbeit des Klosters Münsterschwarzach um die Musik, die Werbung und die Social Media Kanäle. Hier mein persönlicher Bericht über die letzte Jugendvesper im Februar:

Ein Freitag wie jeder andere? Nein, heute ist der dritte Freitag im Monat. Also ein gewöhnlicher dritter Freitag im Monat? Nein, nicht doch. Heute war Jugendvesper.

Es ist gleich ein anderes Gefühl, mit dem man in den Tag startet. Manche setzen sich Ziele für den vor ihnen liegenden Tag, andere setzen Marker auf Ereignisse, auf die sie sich besonders freuen. Mein Marker war heute die Jugendvesper. Jeden dritten Freitag im Monat wache ich morgens auf und freue mich schon tierisch auf den Abend. Klar, manchmal bedeutet es Stress, denn der Ablauf will geklärt sein, die Liedpläne an die Musiker verschickt und ein Erinnerungspost muss ja auch irgendwie auf den Social-Media-Kanälen geteilt werden. Doch warum genau freue ich mich immer so auf die Zeit der Jugendvesper?

Die Jugendvesper von Junges Münsterschwarzach findet jeden 3. Freitag im Monat in der Krypta der Abteikirche statt und ist ein Abendgebet angelehnt an das Stundengebet der Mönche. Sie verbindet altes und neues und richtet sich an Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren.

Schnell noch ein Brötchen reingeschoben, auf die Uhr geschaut: mist, wieder werde ich ein paar Minuten zu spät in der Krypta sein. 19 Uhr wäre der Treffpunkt fürs Team: aufbauen, letzte Dinge absprechen, Gäste begrüßen. Zu tun gäbe es genug, doch die Male, an denen wir alle pünktlich in dem nur leicht beleuchteten Raum unter der Abteikirche zusammenkommen, sind rar.

Auf meinem Weg vom Parkplatz zur Abtei werde ich von einem parkenden Auto angehalten: „Wissen Sie, wo es zur Krypta geht?“ Klar, weiß ich das und nehme die beiden Jungs mit. Von ihnen erfahre ich auch, dass sie zur Firmgruppe Nordheim gehören, die gleich noch zu uns stoßen werden. Meine Vorfreude steigt; ich mag es, wenn Gruppen da sind. In der Krypta angekommen sind wir die ersten. Leicht zu spät, aber zu meiner Überraschung schon beinahe alles hergerichtet: Laudato und Antiphonale zur Rechten am Eingang, die Werbeflyer für unsere Kurse zur Linken. Vorne vor dem Altar stehen die Kerzen für den Fürbittteil. Ja, sogar die Lesung liegt schon am Ambo und das E-Piano in seinen Einzelteilen im Bandbereich. Danke, Pater Jesaja!

So habe ich Zeit, in Ruhe meine Klarinette aufzubauen, die Kamera einzustellen und mich mit dem Pianisten abzusprechen: „Wir tauschen das erste Lied gegen ‚Herr, ich komme zu dir‘ aus“. „Klar, kein Problem.“ Die Leute trudeln ein, begrüßen sich, der Nordheimer Firmgruppe wird erklärt, wie das mit den Liederbüchern läuft. Punkt halb beginnt Pater Jesaja kleinen Schäkereien mit der dahinterliegenden Bank; er hat beschlossen, noch 5 Minuten zu warten, ob noch mehr Leute kommen. Er und seine Wettpartner haben Glück: „Manche kommen zu früh, manche pünktlich und bei anderen freut man sich, dass sie überhaupt gekommen sind.“ So werden auch noch weitere Jugendliche oder Junggebliebene in der nächsten Stunde in unsere Jugendvesper eintrudeln.

„Wir beginnen gemeinsam mit ‚Herr ich komme zu dir‘ und stehen dabei auf“. Pater Jesaja begrüßt und übergibt an die Musik – die Vesper kann beginnen. Anfangs noch mit zarten Stimmchen und leichter Unruhe, gegen Ende des Liedes ein voller Klang. Unsere Gäste steigen in die Musik von Klavier und Klarinette mit ein und lassen sich auf das Abenteuer Jugendvesper ein, mich eingeschlossen.

Da heute wenig „Klosterunterstützung“ in der Vesper dabei ist, beschließen der Keyboarder Patrick und ich, Pater Jesaja beim Vorsingen der Psalmen zu unterstützen. Für mich eine ganz neue Erfahrung, insbesondere, da meine Stimme dank Erkältung nicht so begeistert von dieser Aufgabe ist. Doch, was solls? Mich erfüllt es mit Stolz, Jugendlichen, welche sonst kaum in die Kirche gehen und meist nicht mit den Psalmen der Benediktiner vertraut sind, mit eben diesen Gesängen bekannt zu machen. Da singe ich auch gerne leicht hopsig die alten Verse vor.

Die Predigt wird heute von Anette gehalten. Anette war mit einigen anderen Jugendlichen der Diözese mit auf dem Weltjugendtag in Panama und erzählt uns von ihren Eindrücken. Mich beeindruckt vor allem ihre Eindringlichkeit: Wir Menschen brauchen uns, um gesund und glücklich zu leben; egal woher wir kommen. Das macht uns Christen aus.

Mein absoluter Lieblingsmoment jeder Jugendvesper ist der Fürbittteil: heute wieder mit dem schon beinahe obligatorischen „Hände auf den Altar legen“ und Kerze anzünden. Parallel dazu spiele ich mit Patrick das Taizelied „Bonum est confidere“ – „Gut ist es, zu vertrauen“. Der gleichmäßige Gesang, die zarten, aber zielstrebigen Improvisationen sowie die dichte und persönliche Stimmung der Jugendlichen – für mich jedes Mal ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Doch leider ist dieser Teil viel zu schnell vorbei; 50 Jugendliche brauchen nicht lange, um Kerzen anzuzünden.

Nach dem gemeinsamen Vater Unser, welches die Stimmung aus dem Fürbittteil aufgreift, ist es schon beinahe zu Ende. Auch diesen Freitag merkt man das deutlich an den Liedern. Das getragene und in sich gekehrte „Bonum est confidere“ wird zu einem stärker werdenden „Herr, du bist mein Leben“ und endet nach dem Schlusssegen mit dem Lied „Groß sein lässt meine Seele“, welches wir, dank Swing-Rhythmen, zu einem Tanzohrwurm verwandeln.

Danach geht es schnell: die ersten gehen bereits wieder heim, eine Gruppe macht sich auf in die neue Piazza, um bei Saft und Chips „Make `n break“ zu spielen, ein paar räumen die Kypta wieder auf: Kerzen in die Schachtel, Liederbücher in den Schrank, E-Piano wieder in seine Einzeleile zerlegen. „Dürfen wir noch Fotos machen?“ Vier Mädels schauen Pater Jesaja fragend an. „Klar, soll ich mich noch vor den Altar stellen und so tun, als wäre ich grad am Predigen?“, grinst er zufrieden.

Es sind die Kleinigkeiten, die diesen Abend Monat für Monat so besonders machen. Und sei es ein „Ina, ich freu mich jetzt schon auf nächstes Mal.“

Junges Münsterschwarzach ist die Jugendarbeit des Benediktinerklosters Münsterschwarzach und richtet ihr Angebot an Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren. Neben den monatlich stattfindenden Jugendvespern veranstaltet JuMü auch Jugendkurse über Silvester, Ostern und Pfiingsten.

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